2014-11-24 ComIn Talk_TN

21. ComIn talk blickte in die IT-Zukunft

Chancen? Ja, aber auch Risiken! So das leider nicht ganz eindeutige Fazit des 21. ComIn Talk.

Zum Thema „Ein neuer Rohstoff der Informationsgesellchaft: Big Data – das große Geschäft?“ trafen sich neben zwei IT-Wissenschaftlern der Uni Duisburg-Essen und zwei mittelständischen Big Data-Spezialisten etwa 40 interessierte Unternehmer, Gründer und Studenten aus der Region.

Prof. Pedro Marrón (Inhaber des Lehrstuhl für Networked Embedded Systems an der Uni Duisburg-Essen) führte mit einem interessanten Referat über „Location Based Services and Big Data Analysis“ in das Thema ein. Wie in vielen anderen Industrie- und Forschungsbereichen ist auch beim Thema Big Data festzustellen, dass sich Deutschland weiterhin schwer tut, Forschungsergebnisse schnell in reale Anwendungen zu überführen. Prof. Marron präsentiert mit Songdo City in Korea ein extremes Gegenbeispiel , wie im internationalen Maßstab Big Data-Projekte realisiert werden können. Dort entsteht in drei Bauphasen (seit 2003 bis 2020) eine Art „Smart City“, ausgelegt für etwa 70.000 Menschen. Anfallende, digitale Informationen in dieser Stadt werden vernetzt, gespeichert und können abschließend für verschiedenste Anwendungsfälle z.B. von der Polizei, der Verwaltung, den Versorgungseinrichtungen etc. genutzt werden.

Mit Locoslab, einer Ausgründung aus der Uni Duisburg-Essen, widmet sich Marrón neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit seit einiger Zeit auch praktischen Big Data-Anwendungen. Das junge Unternehmen hat eine Art GPS für Innenräume entwickelt und bietet auf dieser Basis innovative Indoor-Lokalisierungs-Dienstleistungen an. Vorstellbare Anwendungsfälle sind z.B. an Flughäfen die elektronische Gepäck-Verfolgung, die Lokalisierung von Passagieren oder auch die Analyse der Nutzungsintensität von Gängen und anderen Gebäudeabschnitten.

Future Logistics wird nach Ansicht des zweiten Referenten, Dr. Andreas Metzger (Leiter der Forschungsbereiche Adaptive Systeme und Future-Internet-Anwendungen am paluno, dem Ruhr-Institut für Software-Technologie der Universität Duisburg-Essen) ein großes Betätigungsfeld für Big Data-Anwendungen darstellen. Eine besondere „Spielart“ von Big Data in diesem Wirtschaftsbereich sind „Predictive Analytics“. Dabei werden Daten aus laufenden Prozessen in Echtzeit analysiert, um daraus Optimierungspotenziale herzuleiten oder anders ausgedrückt: potenzielle Probleme werden vor deren tatsächlichem Auftreten proaktiv vermieden.

Gleichermaßen interessant für Big Data-Anwendungen sind neben der klassischen Industrie u.a. der Groß- und Außenhandel, die Gesundheitsökonomie und der gesamte Bereich der öffentlichen Verwaltung. Die zukünftigen Herausforderungen liegen, so Dr. Metzger, dabei in fünf Aspekten:

  • (Daten-)Volumen (Rechner- und Speicherkapazitäten),
  • Geschwindigkeit
  • Variatät (verschiedenen Daten-Formen: digital, analog, Texte, Zahlen, Social Media-Inhalte/Tweets etc.)
  • Genauigkeit (unterschiedliche Quellen und Herkünfte) sowie
  • Wert (lohnt sich der Aufwand der Datenerhebung und –analyse?)

Was passiert in Europa? Metzger zitiert Nelli Kroes, die stellvertretende Präsidentin der Europäischen Kommission, mit den Worten „Big Data ist the new oil!“. In diesem Sinne hat die europäische Union im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogrammes „Horizont 2020“ eine public private partnership initiiert, die mit einer halben Milliarde EUR Projekte rund um die intelligente Nutzung von Big Data vorantreiben soll: www.bigdatavalue.eu

Die abschließende Podiumsdiskussion macht klar, dass die enormen, wirtschaftlichen Chancen künftiger Big Data-Anwendungen sehr bewusst gegen die Risiken (Datenschutz!) abgewogen werden müssen. Allerdings bringt es Prof. Marrón auf den Punkt: „Wir müssen uns davon verabschieden, dass alles, was wir machen, privat bleibt!“ Wie viele andere Zukunftstechnologien wird Big Data nach Meinung der Experten zwar sicherlich Arbeitsplätze vernichten, aber in gleichem Maße eben auch neue Job-Angebote wie etwa den Big Data Engineer oder Big Data Analyst kreieren.