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Der Industriespionage vorbeugen – 18. ComIn Talk nimmt Ausspähung im Mittelstand unter die Lupe.

„Es kann Jahre dauern, ein Unternehmen sicher zu machen – und Sekunden, um alles zu verlieren!“ Mit dieser kurzen, aber prägnanten Aussage beendete Reinhard Vesper, der Experte für die Abwehr von Wirtschaftsspionage beim Verfassungsschutz im Innenministerium des Landes NRW, sein Impulsreferat zu Beginn des 18. ComIn talk. „Fremde Nachrichtendienste als unsichtbare Begleiter in ihrem Netzwerk und auf Geschäftsreisen“ – unter diesem Titel wusste Reinhard Vesper vor etwa 40 ComIn talk-Gästen interessante und teilweise bedrohliche „Anekdoten“ aus seinem langjährigen Berufsleben zu berichten.

Die Bedrohungslage ist durch PRISM und andere Schlagworte nun zwar auch in den Köpfen der Allgemeinheit allgegenwärtig; viel bösartiger und vor allem unbekannter sind laut Vesper jedoch die unzähligen täglichen, versteckten Übergriffs-Versuche zur Ausspähung der deutschen Wirtschaft. Nach einer Studie des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) werden z.B. jeden Tag etwa 3000 (!) neue Schadsoftware-Produkte in den Markt geschleust, auf den Flughäfen der EU verschwinden wöchentlich etwa 3.300 (!) Laptops und ca. 200 Angriffe werden bei der Erstinstallation eines Smartphones verübt.

Nachdem sich große Konzerne mittlerweile gut gegen Eindringlinge abgesichert haben, geraten nun zunehmend die mittelständischen Unternehmen in das Visier von Wirtschafts-spionen. Dabei sind laut Vesper zunächst die Vertriebsdaten und –wege dieser Unternehmen gefährdet, erst dann folgen Erkenntnisse aus Forschung und Entwicklung.

Zuvor hatte Franz-Josef Nölke, (Leiter Consulting & Design, Unify GmbH & Co. KG; vormals SIEMENS Enterprise Communications)  zum Thema „Informationssicherheit in Unternehmen in Zeiten von Prism & Co.“ referiert. Es sind lt. Nölke insbesondere die in den letzten beiden Jahrzehnten sich rapide veränderten Arbeitswelten (Mobilität, Globalisierung etc.), die sich als Treiber für jegliche Art von wirtschaftlicher Ausspähung darstellen.

In der nachfolgenden, lebhaften Podiumsdiskussion, der sich Frank Semmler (Head of Solution Management & Center of Competence Security, Unify GmbH & Co. KG) und Bernd Fuhlert (Fachanwalt für IT-Recht und Geschäftsführer der @-yet GmbH) anschlossen, kamenalle Diskutanten zu dem Schluss, dass der Mensch die größte Sicherheitslücke ist und auch bleiben wird. Bestes Beispiel für diese „Diagnose“ sind die sich rasch ausbreitenden, sozialen Netzwerke und der damit verbundene Daten- und Informations-Exhibitionismus. Diese Netzwerke sind Fundgruben für sensible Informationen und damit Plattformen für nachrichtendienstliche Anbahnungen und Operationen. Ein weiterer Faktor, der Wirtschaftsspionage aus dem Ausland weiter befördert, ist die Tatsache, dass der Markt für IT-Produkte zurzeit noch von Produzenten aus Übersee (Asien und USA) beherrscht wird und es zu wenig europäische Soft- und Hardware-Anbieter gibt.

Teilnehmer der Podiumsdiskussion:

Franz-Josef Nölke

Leiter Consulting & Design – Network, Infrastructure & Security der Unify GmbH & Co. KG, Essen

Reinhard Vesper

Referent für Wirtschaftsschutz im Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen

Frank Semmler

Leiter des Portfolio Managements Security Solutions & Services der Unify GmbH & Co. KG, Essen

Bernd Fuhlert

Geschäftsführer der @-yet GmbH, Leichlingen