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Das Ruhrgebiet digital abgehängt? Der 16. ComIn Talk diskutierte Chancen von IT-StartUp‘s.

Das Ruhrgebiet ist digital abgehängt, kann aber noch aufholen – das ist das ernüchternde, aber gleichzeitig auch hoffnungsvolle Fazit des 16. ComIn Talk. Eine Woche vor der vom Bundeswirtschaftsministerium initiierten „Gründerwoche Deutschland“ und vor dem Nationalen IT-Gipfel am 13.11. im Essener ThyssenKrupp-Hauptquartier diskutierten ca. 50 Unternehmer, Gründer, Wirtschaftsförderer etc. im ComIn, Zentrum für Kommunikation und Informationstechnologie an der Karolinger Str., wie gut die Metropole Ruhr aufgestellt ist, um innovativen IT-StartUp´s eine unternehmerische Chance zu geben.

Für die Begründung dieses Rückstandes hatte Prof. Dr. Tobias Kollmann (Inhaber des Lehrstuhls für E-Business und E-Entre­pre­neurship an der Universität Duisburg-Essen) 6 Thesen in den Mittelpunkt seines engagierten Eingangsreferates gestellt: Unter dem Titel „IKT.Gründungen(add)Deutschland-Spielen wir mit oder sind wir nur dabei? Rahmenbedingungen für die digitale Gründerszene im internationalen Vergleich“propagierte Kollmann :

  • Niedrige Gründungsneigung und hohe Risiko-Aversion
  • Mangelnde Förderung eines positiven Unternehmerbildes
  • Fehlende spezifische Bildungsangebote für IKT-StartUp´s
  • Fehlende, innovative Formen der Gründungsfinanzierung
  • Fehlende, langfristige Entwicklung einer „Gründermetropole der IKT“ in Deutschland
  • mangelnde Exportfähigkeit von IKT-Geschäftsmodellen aus Deutschland

als hauptsächliche, regionale Herausforderungen für die Weiterentwicklung einer digitalen Gründerszene in der Metropole Ruhr.

Im Anschluss schilderte Dirk Weimann (Bereichsleiter Existenzgründungsberatung und Förderprogramme bei derSparkasse Essen) in seinem Vortrag „Bewertung von Gründungsvorhaben und deren Finanzierung – Was erwartet die Bank?“ das ausgeklügelte Verfahren, das einer Finanzierungsanfrage vorausgeht. Überraschend war für die Zuhörer, dass die Sparkasse bereits seit 1985 über ein eigenes Service-Center zur Betreuung von jungen Unternehmensgründern verfügt und dass die Wahl der Rechtsform bei der Beurteilung von Businessplänen keine Rolle spielt.

Die anschließende, lebhafte Podiumsdiskussion wurde ergänzt durch Roger Hillebrand (Geschäftsführer des IT-Startup´s ASW Consulting GmbH und seit 27 Jahren in Leitungsfunktionen in Handel und IT-Beratung tätig) sowie Frederik Hümmeke (Mitglied im erweiterten Vorstand des Business Angels Agentur Ruhr e. V., geschäftsführender Gesellschafter der Hümmeke GmbH und ebenfalls Unternehmensgründer). Alle Podiumsteilnehmer waren sich am Ende einig, dass die besondere Wirtschaftsstruktur am Standort Essen mit einer Vielzahl von Konzern-Hauptverwaltungen (insbesondere aus dem Großhandel) geradezu prädestiniert wäre, um einen Schwerpunkt im Bereich e-commerce herauszubilden. „Wir benötigen eine umfassende Strategie zur Förderung und Unterstützung junger IKT-Unternehmer!“ lautete Prof. Kollmanns allgemeiner Aufruf an die Verantwortlich in Politik und Wirtschaft. Spezifische Eckpunkte dieser Strategie müssten seiner Meinung nach aus den folgenden Faktoren gebildet werden:

Faktor I (Individuum): Maßnahmen zur Ausbildung von IKT-Gründern und IKT-Personal sowie die Verbesserung des Images und Steigerung der Bekanntheit von IKT-Gründern in der Metropole Ruhr

Faktor K (Kapital): Maßnahmen für innovative Finanzierungs- und Fördermodelle zur finanziellen Unterstützung der IKT-Gründer

Faktor T (Transfer): Maßnahmen für technische (Breitband)- und kommunikative (Netzwerke)-Infrastruktur für IKT-Gründer innerhalb einer IKT-Metropole

Teilnehmer der Podiumsdiskussion:

Prof. Dr. Tobias Kollmann

Inhaber des Lehrstuhls für E-Business und E-Entrepreneurship, Universität Duisburg-Essen

Dirk Weimann

Leiter des Bereichs Existenzgründungsberatung und Förderprogramme der Sparkasse Essen

Frederik Hümmeke

Mitglied im erweiterten Vorstand der Business Angels Agentur Ruhr e. V.

Roger Hillebrand

Geschäftsführer des IT-StartUp’s ASW Consulting GmbH, Essen

Die Keynotes:

Vortrag von Prof. Dr. Tobias Kollmann